… aber nicht gewillt, 10.000 EUR für einen neuen Body (ohne Objektiv) auf den Tisch zu legen? Tja, habe ich auch nicht gemacht – obwohl die 645D eine recht verführerische Kamera ist. Allerdings ist es nicht nur der Preis, der mich als Foto-Amateur bzw. Semiprofi ein wenig abschreckt; es geht hier in erster Linie um Bildqualität und die Möglichkeiten, die das Mittelformat bietet (übrigens ist der Sensor der 645D nicht 6 mal 4.5cm groß, wie der Name suggeriert, vielmehr bezieht sich dieser auf diese in 1997 eschienene Reihe der Pentax 645 Kameras, beginnend mit der 645, der 645N und der 645NII…).

Als jemand, der seit 40 Jahren fotografiert (meine ersten Versuche machte ich im zarten Alter von 6), analog (von Zenith bis Canon, von Olympus bis Contax) sowie digital (von Minolta über Sony und Nikon) , gab es immer eine bestimmte “Klasse” von Fotoapparaten, die für mich (bis vor kurzem) unerschwinglich waren: Mittelformat-Kameras wie die Hasselblads, Mamiyas und Bronicas, wie auh die Rolleis und Pentax’s. Guckt man sich heute in Shops für gebrauchte Fototechnik oder Auktionshäusern wie eBay um, stellt sich die Situation vollständig anders dar. Während aktuelle – nämlich digitale – State-of-the-Art Kameras (seien sie nun gut oder auch nicht) für einen, na sagen wir, State-of-the-Art Preis angeboten werden, glaube ich in der Sektion “analoge Fotografie” oftmals meinen Augen nicht zu trauen: technische Wunderwerke wie z.B. Leicas und Contax’s als Kleinbildkameras oder Pentax, Fujis, Bronicas und Mamiyas für das Mittelformat werden – teils in sehr gutem Zustand – für einen kleinen Bruchteil ihres Originalpreises angeboten… eigentlich nur, weil sie eben analog sind und so nicht mehr dem digitalen Zeitgeist entsprechen. Oder um ein wenig zu provozieren: mittlerweile offensichtlich nutzlos geworden sind.

Abgesehen von der Tatsache, das dies mein Fotografenherz brechen läßt, möchte ich Fotos doch lieber mit einr Kamera und nicht mit einem Computer machen (und wieder eine Provokation… auf die ich gleich noch eingehe). Bitte versteht mich richtig: ich benutze und liebe digitale Kameras seit sie vor wenigen (ja, in der Tat wenigen) Jahren das Licht der Welt erblickten, aber es ist etwas anderes, eines der analogen Meisterstücke in Händen zu halten – analoge Fotografie ist anders. Lange Rede, kurzer Sinn: Interessiert an einer Pentax 645D? Nehmt eine 645N (oder NII), eine großartige Kamera mit fantastischen Linsen, für die jetzt im Schnitt nicht mehr als 400 bis 600 EUR für den Body und wenige hundert Euro für ein Objektiv hingeblättert werden müssen – fertig ist die Laube! Während ein neuer 645NII Body im Jahre 2002 noch gut 2.000 EUR kostete und eine neue, ganz hervorragende Linse wie das FA 1:4.5/45-85mm aktuell immer noch (auch für die 645D) nicht unter 2.500 EUR zu haben ist, ergatterte ich das Komplettset für gerade mal 700 EUR.

Die Pentax 645N ist schwer (wie man sich bei Betrachtung des Fotos rechts vorstellen kann), aber nicht so schwer wie beispielsweise eine Contax 645 (auch toll, wirklich). Ja, sie ist schwerer als meine andere Mittelformatkamera, die Zenza Bronica ETRS, es handelt sich aber um ein anderes “Kaliber”: die 645N war die erste Mittelformatkamera mit Autofokus, ihre (natürlich auch komplett abschaltbaren!) Automatiken empfehlen sie für weit mehr als nur Studio-, Portrait- und Landschaftsfotografie, und sie ist absolut alltagstauglich, weil wahnsinnig stabil und zuverlässig. Zurück zu meiner Bemerkung “Computer/Kamera”: Ken Rockwell fand die richtigen Worte in seiner Besprechnung der 645N: “The Pentax 645N is a real camera. Everything just works. Pick it up and you’re shooting. Forget reading the instruction manual; it’s awful. There are no menus; everything has its own knob, as it should.” Even Leica later copied the knob positions for their M7 since they are that well designed.

Die Pentax 645N ist einfach zu händeln: nicht nur wegen des AF – der wie alles bei dieser Kamera einfach abschaltbar ist, hier über ein simples Ziehen am äußeren Objektivring – sondern auch die Art und Weise, wie Verschlußzeiten und Blende eingestellt werden: für Verschlußzeiten-Priorität das Zeitenrad drehen, für Blendenpriorität den Blendenring am Objektiv drehen. Soll eines oder beides automatisch geschehen, das grüne “A” wählen. So einfach kann das sein: keine Menüs und Untermenüs, keine Motivprogramme, keine Gimmicks. Nur einstellen, fokussieren und das Foto mit einem zufriedenstellenden und mächtigen “Spiegelsound” auf den Film bannen. Gebannt auf den Film: kein vorzeitiges Löschen, keine weitere digitale Kontrolle, kein “oder hätte ich das nicht noch anders aufnehmen können“-Zweifel bis zu dem spannenden Moment, zu dem die Negative aus dem Labor des Vertrauens eintreffen. Klar, was jetzt kommt: diese Art der Fotografie empfinde ich persönlich als zufriedenstellender, kreativer und beruhigender. Der gesamte “Finde das Motiv, stelle Deine Kamera ein & mach das Foto”-Prozess wird konzentrierter, weil ruhiger. Mein Tipp: einfach mal ausprobieren… (nur ein Tipp, kein Muß :-)

An dieser Stelle – und vor allem in meiner Online Galerie Light upon my Face (lightuponmyface.com) – wird es bald mehr Informtation zur Pentax 645N und dieser Art der Mittelformatfotografie geben. Momentan möchte ich  nicht tiefer in die Technik dieses Fotoapparates einsteigen, weil das vor mir bereits andere viel besser getan haben. Also: mehr Infos gibt es hier…

Ken Rockwell on the 645N

Pentax 645NII: One of the best gets a bit better

Pentax 645N instruction manual / Bedienungsanleitung

645N on Jafa photography

Photography Rambling. Look at the 645N

645N sample photos I

645N sample photos II

Pentax 645N on YouTube

Pentax 645N on Shutterbug

The 645N on Lomography.com

Film Advance: Favourite Cameras

The FA 645 45-85mm f/4.5 lens

Used gear at Adorama.com

(aus Light upon my Face: lightuponmyface.com)

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